Aus dem Tachles

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Open Stage Wien: die Kellerbühne im Tachles

11. September 2026

Unsere Kellerbühne in 1020 Wien: 80 Plätze, Klavier, Open Stage „Floorspot". Wie die Bühne funktioniert und wie du selbst daraufkommst.

Eine Bühne, für die dich niemand castet

Es gibt in Wien viele Leute, die etwas können und es niemandem zeigen. Songs in der Schublade. Texte am Handy. Ein Programm, das bisher nur die Mitbewohnerin gehört hat. Und dazwischen immer dieselbe Hürde: Wo soll man das bitte spielen, wenn man noch keine Fanbase, keine Agentur und keine Tourdaten hat?

Deshalb dieser Text. Unter unserem Kulturcafé am Karmeliterplatz 1 in 1020 Wien liegt ein Keller, und in diesem Keller steht eine Bühne. Kein Nebenraum, in dem zufällig auch mal jemand singt — die Bühne war der Grund, warum es dieses Lokal überhaupt gibt. Der Wunsch nach einem Lokal mit einem Saal für Konzerte und Veranstaltungen war von Anfang an da, lange bevor 2010 der erste Teller aus unserer Küche kam.

Oben Wohnzimmer, unten Kellerbühne — Livemusik in 1020, eine Stiege unter dem Karmeliterplatz. Oder, wie wir es selber sagen: Mit Kultur im Keller und Kultur auf dem Teller.

Floorspot: unsere offene Bühne

Unsere Open Stage heißt Floorspot. Open Stage heißt genau das, was draufsteht: Die Bühne ist offen. Es gibt kein Casting, keine Bewerbungsmappe, keine Jury, die vorher entscheidet, ob du interessant genug bist. Du meldest dich, du kommst, du spielst.

Für wen das gedacht ist? Für Musikerinnen und Musiker, die ihr Material zum ersten Mal vor fremden Ohren testen wollen. Für Songwriter, die wissen möchten, ob die dritte Strophe wirklich nötig ist. Für Leute, die Texte schreiben und sie irgendwann laut lesen müssen, weil man auf dem Papier nicht hört, wo es hakt. Für junge Künstlerinnen und Künstler, die einen Ort brauchen, an dem der erste Auftritt nicht gleich der große Auftritt sein muss.

Und ja: auch für Leute, die das seit zwanzig Jahren machen und einfach einen Abend ohne Aufwand spielen wollen. Beides passt zusammen. Das ist meistens sogar das Beste an so einem Abend — dass der zweite Act nichts mit dem ersten zu tun hat und trotzdem alle bleiben.

Wie so ein Abend im Detail abläuft, wie lange du spielst und was du wann brauchst, besprichst du direkt mit uns. Wir schreiben das hier bewusst nicht in Stein, weil es vom Abend und vom Programm abhängt — und weil wir lieber einmal kurz miteinander reden, als dir eine Regel hinzuschreiben, die dann doch nicht stimmt.

Was unten schon steht

Das Praktische, weil es beim Auftritt am Ende immer um Logistik geht:

  • 80 Plätze. Groß genug, dass es sich nach Publikum anfühlt. Klein genug, dass du die Gesichter siehst.
  • Ein Klavier steht bereits unten. Du musst keines mieten, keines organisieren und vor allem keines über eine Wiener Kellerstiege tragen.
  • Ein Keller mit Mauern, nicht ein Saal mit Trennwänden. Das hört man.

Der Rest ist Absprache. Was du an Technik brauchst, ob du dein eigenes Instrument mitbringst, wie viel Platz dein Setup frisst — sag es uns vorher, dann klären wir es vorher. Nichts ist unangenehmer, als das eine Minute vor Beginn herauszufinden.

Und weil das erfahrungsgemäß die nächste Frage ist: Der Keller lässt sich auch außerhalb unserer Öffnungszeiten nutzen. Für Proben, für geschlossene Runden, für Formate, die nicht in einen normalen Abend passen. Die Konditionen für eine Kellermiete stehen bei uns offen auf dem Tisch — an ruhigeren Abenden unter der Woche kostet der Keller bei einem passenden Projekt gar nichts, an den starken Abenden läuft es über einen Mindestumsatz. Details dazu haben wir in einem eigenen Text aufgeschrieben.

Wer da unten sitzt

Das Publikum ist kein Zufallspublikum von der Straße, und das ist für einen ersten Auftritt ziemlich viel wert.

Zu uns kommen vor allem Nachbarinnen und Nachbarn aus dem zweiten Bezirk. Leute, die im Karmeliterviertel wohnen, hier einkaufen und am Abend nicht drei U-Bahn-Stationen weit fahren wollen, um etwas zu erleben. Dazu Leute aus dem Kulturbetrieb, Leute, die selber etwas machen, Paare, Studierende. Oben laufen polnischer Jazz und Klassik, an den Wänden hängen Plakate der polnischen Plakatschule aus den 60ern, manchmal läuft ein Schwarzweißfilm an der Wand. Wer hierher kommt, hat also schon eine gewisse Bereitschaft mitgebracht, sich auf etwas einzulassen.

Praktisch heißt das: Es wird zugehört. Nicht andächtig, nicht museal — es ist ein Kaffeehaus, es wird auch geredet und gelacht. Aber wenn jemand auf der Bühne steht, dreht sich der Raum dorthin. Für einen Menschen, der zum ersten Mal etwas Eigenes vorträgt, ist genau das der Unterschied zwischen einem schönen Abend und einem, den man lieber vergisst.

Unsere Gäste sagen über das Lokal Sätze wie „wie zuhause" und „Atmosphäre wie bei Freunden". Das gilt auf der Kellerbühne genauso.

Konzerte, Lesungen, Kabarett — und warum hier kein Kalender steht

Die offene Bühne ist nur ein Format von mehreren. Im Keller finden außerdem Konzerte statt, Lesungen und Kabarettabende. Dazu kommen Kooperationen, auf die wir ehrlich gesagt ein bisschen stolz sind: mit dem Polnischen Institut Wien, mit der Österreichischen Chopin-Gesellschaft, in der unser Chef selbst Mitglied ist, mit Global Family und mit Pint of Science.

Was du bei uns nicht findest, ist ein öffentlicher Veranstaltungskalender. Der größte Teil dessen, was hier unten passiert, ist privat, und das bleibt auch so. Wir erzählen dir gerne, wie diese Bühne funktioniert — was an einem bestimmten Abend läuft, bleibt zwischen denen, die da sind.

Für dich als Auftretenden hat das übrigens einen angenehmen Nebeneffekt: Dein erster Versuch landet nicht automatisch im Internet.

Lass uns Tachles reden

„Tachles" kommt aus dem Jiddischen und heißt: zur Sache kommen, ohne Umweg reden. Genau so machen wir das auch bei Bühnenanfragen.

Wenn du spielen, lesen oder auftreten willst, melde dich bei Marcin — bei ihm laufen alle Anfragen zum Keller zusammen. Schreib kurz, was du machst, was du ungefähr brauchst und mit wie vielen Leuten du kommst. Ein Link zu einer Aufnahme hilft, ist aber keine Bedingung. Wenn es nicht passt, sagen wir dir das direkt; wenn es passt, auch.

Du wolltest schon immer einmal vor 80 Leuten spielen? Jetzt aber Tachles.

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