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Roberts Bar - das zweite Gesicht vom Tachles

2. September 2026

Cocktailbar in der Leopoldstadt: am Abend wird aus dem Wohnzimmer am Karmeliterplatz eine Bar — eigene Cocktails von Robert, Bio-Weine aus Österreich.

Alle reden über die Pierogi. Über die Bar redet fast niemand.

Es gibt einen Satz, den wir hier ziemlich oft hören, meistens irgendwo zwischen Hauptspeise und Nachtisch: „Ich wusste gar nicht, dass ihr auch eine Bar habt."

Können wir keinem übelnehmen. Wer nach uns sucht, landet bei den Pierogi. Gault&Millau 2026 hat sie „wahrscheinlich die besten in Wien" genannt, sieben Sorten, eine davon vegan. Damit ist die halbe Geschichte erzählt. Die andere Hälfte beginnt ungefähr dann, wenn draußen am Karmeliterplatz das Tageslicht ausgeht — und die kennen deutlich weniger Leute.

Am frühen Abend ein Wohnzimmer, später eine Bar

Das Schöne ist: Niemand stellt dafür die Möbel um. Es passiert einfach.

Um sechs sitzen hier Nachbarn aus dem Zweiten, jemand isst Rindsuppe mit Nudeln, am Nebentisch wird ein Kinderwagen geparkt. Es riecht nach Küche. An den Wänden hängen polnische Plakate aus den Sechzigern, im Hintergrund läuft Jazz oder etwas Klassisches, an einer Wand flimmert ein Schwarzweißfilm ohne Ton vor sich hin.

Drei Stunden später ist derselbe Raum ein anderer. Die Küchengeräusche werden leiser, die Gespräche länger, das Licht kleiner. Der Salon ist am Abend eine Bar — und weil es derselbe Raum bleibt, ist es eine Bar, in der man einander noch versteht. Kein Bass, der einem die Sätze zerlegt. Der Film läuft weiter, jetzt sieht ihn nur endlich jemand.

Am Wochenende geht das deutlich länger als unter der Woche.

Robert steht hinter der Bar. Und er meint es ernst.

Robert ist unser Barchef, und er gehört zu den Menschen, die man nicht nach Rezepten fragen sollte, wenn man es eilig hat.

Er arbeitet an seinen Drinks so, wie in unserer Küche an den Rezepten gearbeitet wird: abwägen, probieren, ändern, wieder probieren. Der Unterschied ist nur, dass in der Küche eine Oma-Handschrift dahintersteckt und hinter der Bar Roberts eigener Kopf. Drei seiner Kreationen stehen bei uns auf der Karte, und die Namen wirst du anderswo nicht finden: Tachles Pink Twist, Pistachio Velvet und Zitronengras Sour.

Was drin ist, verraten wir hier nicht. Nicht aus Geheimniskrämerei — sondern weil das die Sorte Information ist, die man besser von Robert selbst bekommt, in etwa zwei Sätzen und mit einem Gesichtsausdruck, den kein Blogartikel abbilden kann. Frag ihn. Er erklärt gerne.

Dazu gehört auch der andere Teil seiner Arbeit, der selten Applaus bekommt: Die Limonaden machen wir selbst. Wer an einem langen Abend am Tisch sitzt, ohne Alkohol zu trinken, soll nicht mit einer Flasche Industriebrause aus dem Kühlregal abgespeist werden. Auf unserer Karte steht übrigens auch die Zeile „DRINK RESPONSIBLY !". Die steht da nicht als Deko.

Cocktailbar in der Leopoldstadt heißt bei uns: kleine Namen, kurze Wege

Eine Bar erkennt man weniger an der Länge der Karte als daran, wo die Sachen herkommen. Bei uns kommen sie meistens von Leuten, deren Namen man sich merken kann.

Beim Wein arbeiten wir mit österreichischen Bio-Weingütern: Viktor Fischer aus Traismauer-Wagram, Michael Grausenburger, dem Weingut Humer, Steinreich, Mayer am Pfarrplatz und dem Biohof No 5. Das sind keine Namen, die dir eine Kette anbieten kann, weil eine Kette bei diesen Mengen gar nicht einkaufen würde. Für uns ist es genau richtig.

Beim Bier ist 100 Blumen dabei — gebraut in Wien, ein paar Bezirke von hier entfernt — dazu Murauer sowie Łomża und Tyskie, die es hier seit Langem gibt und nach denen regelmäßig gefragt wird.

Und der Kaffee, weil auch der zur Bar gehört und nicht nur zum Nachmittag: der kommt von der Kaffeerösterei Alt Wien. Wien röstet, Wien schenkt aus. Der Weg vom Röster zur Tasse ist bei uns ungefähr so lang wie eine U-Bahn-Fahrt.

Was aktuell alles da ist, steht auf der Speisekarte. Sie ist ehrlicherweise die bessere Lektüre als dieser Absatz.

Bar am Karmeliterplatz — und trotzdem ein Wohnzimmer

Wir sind eine Bar in Wien 1020, aber wir sind keine Bar im Sinne von „laut, eng, Nummer ziehen". Wir sind eher der Ort, an dem ein Gespräch, das beim Essen angefangen hat, einfach weitergehen darf, ohne dass jemand mit dem Fuß wippt und auf den Tisch schielt.

Deshalb kommen Leute her, die reden wollen: Nachbarn aus dem Zweiten, Musikerinnen und Musiker, die vorher unten im Keller etwas ausprobiert haben, Paare beim zweiten Treffen, Leute nach der Arbeit, Studentinnen mit zu wenig Schlaf. Das Publikum wechselt im Lauf des Abends fast so zuverlässig wie das Licht.

„Reden hilft, Pierogi auch." Der Satz steht bei uns nicht ohne Grund herum. Tachles kommt aus dem Jiddischen und heißt: zur Sache kommen, offen sprechen — und eine Bar, in der man sich unterhalten kann, passt zu einem Namen, der genau das bedeutet. Mehr dazu unter Was heißt eigentlich „Tachles"?

Wir sind am Karmeliterplatz 1, 1020 Wien. U1 Nestroyplatz, U2 Taborstraße, Straßenbahn 2 oder Bus 5A — alles ein kurzer Weg. Die aktuellen Öffnungszeiten stehen unten auf jeder Seite. Bezahlen kannst du bar oder mit Karte.

Einen Tisch reservierst du telefonisch unter +43 1 212 03 58, per Mail an tachles@gmx.at oder über das Formular hier auf der Seite. Bestellen oder liefern lassen kann man bei uns nichts — dafür musst du wirklich herkommen. Ist aber ohnehin der bessere Teil.

Und wenn du das nächste Mal wegen der Pierogi da bist: Der Raum sieht spätabends anders aus. Bleib ruhig sitzen und schau es dir an.

Hunger bekommen? Schau in die Speisekarte oder reservier dir einen Tisch.

DAS KULTURCAFÉ tachles

KARMELITERPLATZ 1

1020 WIEN

MO–MI 16.00 - 23.00

DO–FR 16.00 - 01.00

SA 12.00 - 01.00

SO 12.00 - 22.00

+43 1 212 03 58

TACHLES @ GMX .AT

INSTA: TACHLES .WIEN

WWW. CAFE-TACHLES .AT

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